Über den Spaß an Simulatoren-Games – #ÜberAllesAndere

[Gastbeitrag]
Außerhalb meiner AAA-Titel-Blase gefüllt mit zahlreichen Exklusiv-Spielen gibt es auch andere Sorten von Spielen. Spiele, die so in ihrer Form vielleicht eher weniger thematisiert werden und mehr eine Nische bedienen. Spiele, die von vielen Menschen eher belächelt werden und auf den Gamescoms mit vergleichsweise leeren Ständen beglückt werden. Um diese Spiele soll es jetzt gehen. Simulatoren-Spiele. Doch wo liegt bei diesen Spielen der Spaß? Normalerweise spielen wir doch Spiele, um mit diesen Dinge zu erleben, die im echten Leben unmöglich sind und an Grenzen zu gehen, an die man sonst nie kommen würde. Simulatoren machen genau das Gegenteil: Sie simulieren die Wirklichkeit. Aber was macht diese Spiele besser als die Realität?
Es schreibt für euch Sebastian von schumi1331.de.

Sebastian, besser bekannt unter seinem Pseudonym schumi1331 ist ein großer Freund von dem Genre der Simulatoren-Spiele. Stundenlang kann er etwa bei Euro-Truck-Simulator durch die Gegend düsen. Er hat Informatik studiert und ist leidenschaftlicher App-Entwicker, hauptberuflich aber Flugbegleiter.


Beschäftigt man sich mit Gaming und Spielen, kommt man heutzutage früher oder später nicht an dem Genre der Simulatoren vorbei. Möchte man sich dann einmal in irgendeinem Spiel ausprobieren, dann wird man von der Qual der Wahl gleich erschlagen: Landwirtsschafts-Simulator, Holzfäller-Simulator, Euro Truck Simulator oder das Hochseefischen sind nur einige Titel, die der Markt hergibt, wobei einige der Spiele eine teils unverständlich große Beliebtheit aufweisen und es so mittlerweile auf so ziemlich jede Plattform geschafft haben.

Auf den ersten Blick betrachtet sind Simulatoren ein Genre, welches der herkömmlichen Idee von Computer- und Konsolenspielen widerspricht, die sich meist mit umfangreichen Stories, speziellen Effekten oder auch einem besonderen Grafikstil von der Realität entfernen wollen, um eine virtuelle Realität im Spiel zu schaffen und dadurch den Bann auf sich zu ziehen. Stattdessen bemühen sich Simulatoren darum, einen kleinen bestimmten Teil der realen Welt draußen möglichst detailliert abzubilden und so vielleicht lang ersehnte Kindheitsträumen zumindest am Computer in Erfüllung gehen zu lassen. Wer wollte damals nicht beispielsweise Lokführer oder Pilot werden oder mit einem 700 PS-Rennwagen über die Rennstrecken der ganzen Welt heizen. Genau diesen Traum lassen Simulatoren wahr werden, gleichzeitig ermöglichen sie Einblicke in andere Bereiche des Lebens. Wie man mit einem Zug fährt, weiß jeder: Start- und Zielorte finden, passendes Ticket kaufen, einsteigen, hinsetzen, Zeit totschlagen und an der richtigen Station aussteigen. Wie man jedoch einen Zug fährt, wissen nur die wenigsten.

Dabei hilft das Genre in Teilen sogar bei der Berufswahl: Ich habe schon öfter von Leuten gelesen, die im frühen Jugendalter aus ihrer Faszination für irgendwas ein passendes Spiel entdeckt haben und sich später dazu entschieden haben, diesen Beruf auch in echt auszuüben. Gleichzeitig gibt es wieder den anderen Weg, also LKW-Fahrer, die nach dem Feierabend noch gemütlich im Euro Truck Simulator 2 durch Europa fahren und so durch den Vergleich zwischen Realität und Spiel den Entwicklern auch noch Tipps geben können, was dabei verbessert werden kann.

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Screenshot: Eurotruck Simulator 2

Während die ersten Versionen der “originalen” Flight- und Train-Simulator-Reihen aus dem Hause Microsoft 1982 und 2001 veröffentlicht wurden, entwickelte sich ein größerer Hype um das Genre erst Ende des letzten Jahrzehnts, als diverse Simulatoren ihren Weg in die Spieleregale der Elektronikläden fanden. Da die Spiele seltenst von größeren Entwicklern oder Publishern kamen, war auch das Budget dementsprechend gering, was sich damals stark in der Qualität widerspiegelte. Ein solches Beispiel ist unter anderem der Bus Simulator 2008, den Sven mal auf quick-save unter die Lupe genommen hat.

Im Jahr 2018 wird das Genre abgesehen von Rennspielen weiterhin nicht von AAA-Publishern bedient, doch einige Spiele haben im Laufe der Zeit etwas aus sich gemacht. So fährt man beim Euro Truck Simulator 2 einem wunderschönen Sonnenaufgang entgegen oder steuert bei OMSI – Der Omnibussimulator 2 mit Lenkrad und allen Schaltern und Reglern einen Bus durch Berlin.
Im Fokus dieser Spiele steht jedoch in den seltensten Fällen eine epische Story und auch Action gibt es nur dann, wenn es der Joballtag erfordert, zum Beispiel bei einer Verfolgungsjagd auf der Autobahnpolizei.

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Screenshot: Autobahnpolizei Simulator, Quelle: Aerosoft

Von vielen belächelt hat das Simulatoren-Genre trotzdem oder auch gerade deswegen seine Daseinsberechtigung, auch wenn es selbst nach Jahren noch nötig zu sein scheint, sich gegenüber anderen Menschen rechtfertigen zu müssen, warum man denn Spaß an einem dieser Titel hat. Dass man damit aber nicht alleine ist, zeigt alljährlich die Gamescom in Köln, bei der Simulatoren-Stände zwar immer noch gut versteckt gesucht werden müssen, aber lange nicht mehr so einen kleinen, unscheinbaren und leeren Platz aufweisen, wie das noch vor fünf Jahren der Fall war.


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Quelle des Titelbilds: Euro Truck Simulator 2

Marina

About Marina

Studiert irgendwas mit Medien. Spielt am liebsten auf der PS4, liebt alles was eine dramatische Story hat, am liebsten aber Games mit bärtigen und grummeligen Männern. Ist auf Twitter am coolsten. Chefin bei dieletztevoneuch.de. PR-Mensch bei GameNotify.

3 thoughts on “Über den Spaß an Simulatoren-Games – #ÜberAllesAndere

  1. Wie du schon richtig erwähnst, gibt es die Idee von Berufssimulationen schon vergleichsweise lange. Aber erst nach dem 2001er Flight-Simulator wurden diese Spiele langsam populär. 18 Wheels of Steel von 2002 war da einer der ersten Titel.
    In den Folgejahren haben sich dann auch andere Unternehmen daran versucht und meistens kamen dabei eher zweifelhafte Spiele heraus. Rondomedia/Astragon haben dann massiv in diese Richtung entwickelt. Schiff-, Bus-, Chirurgie- und was nicht alles -simulator. Es hat aber Jahre gedauert, bis dabei etwas halbwegs Realistisches herausgekommen ist.
    Mittlerweile haben die “größeren” Simulatoren-Entwickler aber mindestens ein durchaus gutes Spiel, das eine breite (und erstaunlicherweise auch vergleichsweise junge) Community gefunden hat.

    Dass wirklich viele Menschen einen Beruf wegen eines Simulators auswählen, bezweifle ich allerdings. Trotzdem kommt es scheinbar vor. Ich kenne jemanden, der jahrelang gern diverse Zugsimulatoren gespielt hat. Inzwischen ist er Lokführer bei DB Schenker.

  2. Sehr schön zusammengefasst. Man könnte zu dem Thema vermutlich eine ganze Doktorarbeit schreiben und psychologisch bis ins Detail zerlegen. Bei mir ist es eine Mischung aus dem Ausprobieren fremder Berufe und dem entspannten Spielen nach Feierabend. Spätestens mit dem großen finanziellen Erfolg des Landwirtschafts-Simulators ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die anderen Simulatoren ein größeres Budget erhalten.

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