Assassin’s Creed 3 Remastered Review – Neue Besen kehren besser?

Erstmals veröffentlicht im Jahre 2012 für die PlayStation 3 und Xbox 360, wurde Assassin’s Creed III nun für die Current Gen Konsolen generalüberholt. Ob das so eine gute Idee war, lest ihr hier im Review.


Das Jahr ist 1775. Die amerikanischen Kolonien befinden sich in einer Aufruhr und auf der Suche nach Freiheit und Eigenständigkeit. Inmitten des Umbruchs befindet sich Connor, der Sohn einer Native American Mutter und britischem Vater. Mit ihm durchlebt ihr am anderen Ende des Controllers eine blutige Revolution und kämpft für eure und die Freiheit eures Stammes.

Spiele, die eine Remastered-Version bekommen, sind immer eine Sache für sich. Der eine Teil der Spielerschaft verdreht die Augen und ruft lautstark “Geldmacherei” und ein anderer Teil freut sich über die Möglichkeit, ein älteres Spiel in neuem Gewand zu sehen. Vielleicht weil man Fan der Reihe ist und gerne beide Versionen in der Heimbibliothek hätte, oder vielleicht weil man die Originalversion nie gespielt hat und so endlich eine Gelegenheit bekommt, diese Lücke zu füllen. Zu diesem Teil der Spielerschaft gehöre ich.

Connor über den Dächern der Stadt. (Bild: Ubisoft)

Altes in neuem Gewand

Assassin’s Creed III wurde für die aktuellen Konsolen geremastered, ist nun in 4k und HDR auf der PlayStation 4 Pro, Xbox One und dem PC erhältlich, mit verbessertem Lighting, neuen Charakter Modellen und was man sonst noch so aufpolieren kann. Was alles sehr gut klingt, wirkt sich optisch leider nicht auf alle Bereiche des Spiels aus. Gerade die Natur, die Stein-Gebäude Bostons, Kirchen, Bäume, Flüsse und Jagdgründe sehen sehr detailliert, scharf und realistisch aus. Im Winter bei Schneefall kommt ebenso wie im Sommer eine tolle Atmosphäre auf und nicht nur einmal hatte ich fast Red Dead Redemption Vibes bei meinen Erkundungszügen durch die Wildnis. Was an diesen Stellen wirklich toll wirkt, fehlt an lebenden Objekten im Spiel völlig und man fragt sich, wo genau diese Version jetzt ein Remaster sein soll. Gesichtsanimationen sind steif, kalt, wirken unecht, die Augen erinnern eher an Murmeln aus Glas, ohne Bewegung, ohne Leben in ihnen.

Nicht nur an der Optik wurden aber Verbesserungen durchgeführt, auch das Gameplay hat einige neue Elemente bekommen, was sich vor allem auf die Bereiche des Stealths, Craftings und generellem Interface auswirkt. So kann sich Connor im Gegenteil zur Originalversion in Büschen verstecken und Feinden zupfeifen, sodass er sie stillschweigend im Gebüsch um die Ecke bringen kann. Was das Crafting angeht, kann man nun einige Waffen selbst craften und muss sie sich nicht mit in-game Geld kaufen. Vorraussetzung dafür ist aber, dass man die in der Welt verteilten Rezepte findet. Auf der Mini-Map hingegen wird nun gezeigt in welche Richtung Gegner blicken und in Konflikt-Situationen bekommt man Fluchtmöglichkeiten und Verstecke angezeigt. Auch ein Modus für farbenblinde Spieler wurde aufgeführt.

Die Gesichtsanimationen in der Remastered Version sind bisweilen leider nicht die besten. (Bild: Ubisoft)

Was die eigentliche Steuerung von Connor selbst angeht ist diese zwar, was sich besonders beim Klettern zeigt, flüssig und geschmeidig, fühlt sich gleichzeitig aber auch schrecklich widerspenstig an. Oftmals hatte ich das Gefühl, dass ich beim Spielen gar keine richtige Kontrolle über den Charakter hab, sondern Connor einfach da lang latscht, wo es ihm beliebt, von der schwammigen, störrischen und ungenauen Steuerung auf dem Pferd ganz zu schweigen. Besonders verheerend ist das, wenn man sich in Missionen befindet, die es erfordern schnell zu flüchten, es sich aber so anfühlt als würde man nicht einfach nicht vorankommen. Das Pferd kommt nicht vom Fleck, die Gegner sind aber dazu übermächtig, müssen förmlich nur die Luft hinter einem treffen damit man vom Pferd fliegt und so der ganze Fluchtprozess abgebrochen wird und alles für die
Katz ist (vielleicht wisst ihr ja, welche Mission ich meine).
Wenn sich dann noch deine verbündeten NPCs merkwürdig verhalten, hat man das Gefühl, dass die ganze Welt gegen einen arbeitet. Solche Stellen sorgen für Frust wo eigentlich keiner ist und schon gar keiner sollte und verringern so die Freude am Spiel und die Motivation, es weiterzuspielen.

Ein Herz für Old-School

Trotzdem macht Assassin’s Creed III Remastered Spaß. Gerade nach einem monströsen Ausmaß eines Open-World-Action-Adventures-Slash-RPG, wie es kürzlich Assassin’s Creed Odyssey war, lernt man die “Old-School” Adventures wieder zu schätzen. Es ist erfrischend, wie wenig AC III braucht um als Adventure Game noch zu funktionieren. Ausführliche Skilltrees, Levelanzeigen, Unmengen an Loot, verzweigte Dialogoptionen sind hier total überflüssig und es ist absolut entspannend, sich in ein Spiel zu stürzen, ohne sich von derartigem gestresst und überfordert zu fühlen. Natürlich war auch Assassin’s Creed III schon von Nebenaktivitäten nahezu überhäuft und selbstverständlich ist das Leveldesign aus heutiger Sicht ziemlich veraltet und hochgradig repetitiv, dennoch lohnt sich diese kleine Zeitreise in eine Gaming-Welt, in der nicht alles größer, besser, voller und länger hat sein müssen.
Neue Besen mögen vielleicht besser kehren, aber alte kennen eben die Ecken.


Für dieses Review wurde mir ein Muster zur Verfügung gestellt, was die Berichterstattung aber in keinster Weise beeinflusst hat. Ich sage es euch trotzdem. Vielen Dank an Ubisoft für die Zusammenarbeit!

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77
Wertung
Fazit
Assassin's Creed III Remastered ist eine tolle Gelegenheit für die Spieler oder Spielerinnen, die das Originalspiel damals verpasst haben und diese Lücke füllen wollen. Alle anderen werden vielleicht auch Spaß an den neuen Elementen im Gameplay haben, werden aber auf lange Sicht keinen großen Unterschied sehen. AC III ist ein tolles Old-School Adventure, ohne großen Schnick Schnack und bereitet gute kurzweilige Unterhaltung, die leider durch steuerungs - und levelbedingte Frustration getrübt wird.
Pros
Atmosphärische Welt
Old-School Action-Adventure
Lohnend für diejenigen, die das Originalspiel verpasst haben
Cons
Widerspenstige und schwammige Steuerung
Repetitives Leveldesign
Tote Gesichtsanimationen
Komisches NPC Verhalten und einige Bugs
Marina

About Marina

Studiert irgendwas mit Medien. Spielt am liebsten auf der PS4, liebt alles was eine dramatische Story hat, am liebsten aber Games mit bärtigen und grummeligen Männern. Ist auf Twitter am coolsten. Chefin bei dieletztevoneuch.de. PR-Mensch bei GameNotify.

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