Hellblade: Senua’s Sacrifice – Review

„The hardest battles are fought in the mind.“

 

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Hellblade entführt uns in die dunkle Welt des Mittelalters, eine Welt voller Krieg, Grauen, Opfergaben und Göttern, die uns den Weg zeigen sollen.
Wir stecken in der Haut von Senua, einer jungen keltischen Kriegerin.
Senuas einziges Ziel, ihre einzige Motivation weiter ihren Weg zu beschreiten, ist es die Seele ihres grausam ermordeten Geliebten aus der keltischen Hölle zu befreien.
So begeben wir uns mit ihr zusammen in die keltische Unterwelt um das einzige was ihr geblieben ist, aus den Fängen von Hela, der nordischen Göttin des Todes, zu befreien.

Doch Senua ist nicht allein. In ihrem Kopf sind tausend Stimmen.
Stimmen, die sie nicht los wird, Stimmen, die sie auf ihrem Weg begleiten. Stimmen, die mal Gutes sagen und sie bestärken und Stimmen, die sie vor jedem weiteren Schritt warnen. Stimmen, die ihr einreden, sie könne ihr Vorhaben niemals schaffen, sie sei zu schwach, zu geplagt, zu einsam und Stimmen, die ihr ein Aufgeben verbieten.
Denn Senua leidet unter einer Psychose, einer psychischen Krankheit.
Sie nimmt die Welt anders war, als andere. Sie sieht die Welt verschoben, zerstückelt, mal zu farblos, mal viel zu kräftig. Sie erkennt bunte Formen in ihrer Umgebung, regelmäßige Abläufe, kann sich nur an diesen orientieren um weitergehen zu können.
Ihr Unterbewusstsein spielt Tricks mit ihr, sie wird getäuscht, verwirrt, belogen und nichts scheint real zu sein.

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All das erlebt der Spieler hautnah mit, denn all das wird genauso auf dem Bildschirm gezeigt.
Man hört diese Stimmen, die mit einem spielen. Man spürt Senuas Verwirrung, den kläglichen Versuch auszumachen, was jetzt Realität ist und was nicht.
So läuft man mit ihr durch die keltische Unterwelt aus Wäldern, verlassenen Häusern und abgestorbenen Gegenden.
Dennoch ist Hellblade: Senua’s Sacrifice kein typischer „Walkingsimulator“, denn das Herumlaufen durch die ziemlich lineare Welt ist nicht alles, was das Gameplay ausmacht.
Immer wieder gibt es Rätsel, die man lösen muss, um zum nächsten Areal zu gelangen.
Diese Rätsel bestehen wie oben beschrieben daraus, Formen  in der Umgebung zu finden, die mit der richtigen Position und Konzentration zu einer Rune verschmelzen. So wird aus einem fauligen Holzstamm und Schatten beispielsweise ein Y, das sich Senua einprägt und als Schlüssel für eine bisweilen verschlossene Tür fungiert.
Die Rätsel sind nicht sonderlich abwechslungsreich gestaltet, es herrscht immer das gleiche Prinzip, dennoch sind sie stellenweise ziemlich knifflig und durch die detailreiche Gestaltung der Spielwelt wird dieses Prinzip auch nicht langweilig.

Abgesehen von den Rätseln gibt es noch eine weitere Sache, die man bewältigen muss: Die Kämpfe gegen merkwürdig aussehende Krieger der Unterwelt.
Diese Kämpfe bestreitet man nur mit dem was man bei sich hat, einem Schwert. Und hier ist vor allem Taktik, höchste Konzentration und schnelle Reaktionsfähigkeit gefordert. Man muss seinen Gegner genau beobachten, seine Bewegungen erfassen und dann entsprechend reagieren.
Ob Ausfallschritt, Rolle rückwärts, einen Block, ein harter oder schneller Schlag – versagt man dabei, passt man einmal nicht gut auf, hat das ganz fix den Bildschirmtod zur Folge. Was bei einem einzelnen Gegner noch sehr gut zu schaffen ist, wird ab drei Gestalten schon fordernder und hat großes Frustrationpotential. Von Zeit zu Zeit wird Senuas Spezialfähigkeit aufgeladen, die höchste Stufe ihrer Konzentration, der „Focus“, der den  den Kampf kurzzeitig verlangsamt. Alles geschieht in Zeitlupe und so hat man gute Chancen den Gegner zu besiegen, doch auch hierbei muss der Tastendruck gut getimed sein. Zudem geben die Stimmen in Senuas Kopf noch zusätzlich Tipps, die einem helfen – vorausgesetzt man hört hin.
Wenn man die Tastenbelegung und Bewegungsabläufe aber verinnerlicht hat, macht das Kampfsystem auch wirklich Spaß, doch das ist nicht so einfach, denn anders als bei vielen anderen Spielen, gibt es in Hellblade: Senua’s Sacrifice kein Tutorial. Man ist von Anfang an auf sich allein gestellt, hilflos und muss die Dinge einfach so aus dem Stehgreif lernen. Dieses Prinzip unterstreicht Senuas Ich und das Wesen dieses Spiels aber hervorragend.
Dennoch war ich kein sonderlicher Fan von den Kämpfen. Oftmals haben diese den flüssigen Spielverlauf unterbrochen und einen aus der tollen und mystischen Atmosphäre herausgerissen, vor allem wenn ein Gegner wie aus dem Nichts vor einem erschienen ist und auf Senua eingedroschen hat, was einen ziemlichen Jumpscare darstellt.
Die Bossfights im Game sind gut verteilt und machen wirklich Spaß. Jeder Boss hat eine eigene Eigenschaft und Schwachstelle, so ist jeder etwas anders zu bewältigen. Sie sind alle ziemlich angsteinflößend, aber insgesamt machbar.

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Außerhalb des vorgegebenen Weges gibt es nicht viel zu entdecken. Die Spielwelt ist wunderschön gestaltet und bietet viele Motive für den fantastischen Photomode, den das Spiel mitbringt, aber die Level sind sehr linear entworfen und bieten wenig alternative Pfade.
Doch trotzdem gibt es Collectibles. Man findet sie in Form von Runensteinen, die die Legenden von Edda und Völsunga  erzählen. (Wen das interessiert kann die gerne auf Wikipedia nachlesen.)

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Die Welt von Senua’s Sacrifice ist wunderschön. Die Lichteffekte sind fantastisch, es herrscht großer Detailreichtum und dadurch, dass man die Welt durch Senuas Augen sieht, kann man selbst schwer die Realität von der Lüge unterscheiden. Leider hatte ich stellenweise durch verwackeltes Bild und verschwommenen Umrissen immer wieder mit auftretender Motionsickness zu kämpfen und musste oft pausieren.
Die Atmosphäre von Hellblade ist jedoch einzigartig. Eingängig, tiefgreifend und beängstigend kriecht sie dem Spieler unter die Haut. Dazu kommt der perfekt abgemischte Sound, vor allem mit Kopfhörern wird dieser zum besonderen Erlebnis.
Die Stimmen in Senuas Kopf werden zu den Stimmen in deinem Kopf.
Sie sind immer präsent. Sie geben dir nie eine Pause. Du wirst sie nicht los und weißt nicht, welcher Stimme du Beachtung schenken sollst.

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Den Entwicklern von Hellblade war es wichtig psychische Krankheiten wie Psychosen, die nicht nur in der Videospiel-, aber auch in der realen Gesellschaft immer noch ein Tabuthema darstellen, möglichst respektvoll und realitätsnah zu behandeln, wofür sie mit renommierten Psychologen und Neurowissenschaftlern und Professoren der Universität Cambridge (wie etwa Paul Fletcher) zusammenarbeiteten.
Das Ergebnis der Recherche ist ihnen hervorragend gelungen, mit dem bloßen Controller in der Hand erlebt man durch Senua, was Panik, Angst, Schizophrenie und Flashbacks auslösen können und was das für eine enorme Belastung für Betroffene in ihrem Alltagsleben bedeutet. Dabei wird die Erzählweise oder Darstellungsform nie beleidigend oder abwertend.
Die Entwickler zeigen auch auf, dass man sich mit psychischen Krankheiten nicht auf sich selbst verlassen kann und einem das eigene Bewusstsein oft Lügen erzählt und Tricks mit einem spielt.
So erfolgt beispielsweise am Anfang des Spiels der Hinweis, dass wenn man zu oft stirbt, die „Dunkelheit“, der „Fluch“, der auf Senua lastet und ihr bereits zu Kindheitszeiten das Leben erschwert und sie zur Außenseiterin gemacht hatte, weiter von ihr Besitz ergreift und wenn diese „Dunkelheit“ ihr Herz erreicht hätte, das Spiel komplett Game Over wäre und man von vorne beginnen müsste. Mit jedem Bildschirmtod wird ihr Arm also schwärzer, mit jedem Bildschirmtod verrottet ihre Seele ein Stück mehr.
Die Auflösung davon und weiteren Tricks der Entwickler würden an dieser Stelle zu sehr spoilern, dennoch treibt einen so etwas beim Spielen in den Wahnsinn und man achtet penibel auf jeden Schritt, den man im Spiel macht.

Diese Schritte lohnen sich aber. Das Ende von Hellblade ist eines der grandiosesten Enden der heutigen Videospiele. Man spielt die Story nicht nur lapidar. Man erlebt sie mit.
Ich hatte Schwierigkeiten, Hellblade fertig zu spielen. Alles im Spiel (vor allem Abschnitte in totaler Dunkelheit und gruseliger Geräuschkulisse) hat mir Angst bereitet und mich in Panik versetzt und es war eine große Überwindung das Spiel überhaupt fertig zu spielen.
Doch auch hier gibt es wieder Parallelen zu Senua und ihrer Psychose, alles ist ein Kampf, alles erfordert Überwindung, alles macht Angst und gegen alles muss man ankämpfen.
Hellblade: Senua’s Sacrifice zeigt, dass manchmal der größte Feind von einem, man selbst ist und nicht immer nur stumpfes Weiterkämpfen den Weg zum Ziel ebnet.

„Come with us. We have another story to tell. 
My friend go, go with her. 
This now will be your story to witness. Goodbye.“ 

 

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Bildschirmfoto 2018-03-05 um 16.57.46

 

 

 

 

Weitere Quellen: Wikipedia
Alle Screenshots sind Originalaufnahmen des Spielverlaufs und wurden mit dem integrierten Photomode aufgenommen.

Erstveröffentlichung: 8. August 2017
Studio: Ninja Theory
Publisher: Ninja Theory 
Plattformen: Windows, Playstation 4
Kaufen:
PSN oder Steam

Testversion fett

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Solltest du Probleme wie Senua haben und mit psychischen Problemen kämpfen, ist Hilfe holen keine Schande.
Für weitere Informationen und Hilfestellen, besuche doch mal Hellblade Info & Support oder rufe alternativ bei der Telefonseelsorge an. Infos findest du hier. Telefonseelsorge

2 Kommentare zu „Hellblade: Senua’s Sacrifice – Review

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