The End of The F***ing World – Review

Basierend auf den Comic Books von Charles Forsman erzählt das neue Netflix Original „The End of The F***ing World“ die Geschichte zweier Teenager auf einem Roadtrip durch Britannien. Ist diese düstere Komödie jetzt schon die beste Serie 2018?

 

„I didn’t know where we were going or when I was going to kill her, but I punched my Dad in the face and stole his car and that felt like a good place to start.“

James ist ein Psychopath. Oder er geht davon aus, dass er einer ist. Wo er in seiner Kindheit schon immer Tieren den Hals umdrehte, sucht er jetzt nach etwas größerem: Einem menschlichen Opfer. Das ideale Opfer für seinen ersten Mord sieht er in Alyssa, einer Außenseiterin wie er selbst einer ist. Um sein Ziel umzusetzen, gibt er Alyssa vor in sie verliebt zu sein. Seine Rechnung geht auf und die zwei tun sich zusammen, um aus ihrem traurigen Alltag auszubrechen und begeben sich auf einen Roadtrip quer durch England, woraufhin sie zusammenwachsen und eine merk-, aber liebenswürdige Bindung entsteht.

The End of The F***ing World fängt auf einer leichten und amüsante Note an, doch spätestens nach vier Episoden ist es klar, dass man hier keine typische Komödie mit einem märchenhaften Ende vor sich hat. Die Serie ist düster und behandelte düstere Themen, versteht es aber gut seichte Pointen zu landen und den Zuschauer zum Schmunzeln zu bringen.
Die beiden Hauptdarsteller bringen das Gefühlsleben eines Teenagers brillant an die Oberfläche.
Unsicher, störrisch, launisch, scheinbar gefühlskalt und abweisend doch hinter der Fassade unglaublich bedacht, nachdenklich und einfühlsam und – einsam.
James und Alyssa sind verlorene Seelen und beide haben ihre eigene Art mit Schmerz und Verlust umzugehen. Sie beide durchlebten tragisches in ihrer Kindheit, das sie zu dem Menschen machte, den sie vorgeben zu sein. Nur dass hinter James lethargischem Sein und Alyssas respektloser Art mehr steckt, als nur das. So ist die Reise durch England mehr eine Selbstfindungsreise für die beiden und am Ende stellt sich die Frage, wer jetzt eigentlich wen gerettet hat.
Keiner der beiden Protagonisten ist richtig sympathisch, doch trotzdem sind sie so real und greifbar, dass man ihr Handeln versteht, akzeptiert und sich mit ihnen vielleicht sogar ein Stück identifiziert. Ich denke dabei an Alyssa und erinnere mich an mich selbst als vielleicht fünfzehn jährige. Ich bin mir sicher, dass ich irgendwie genauso war. Zickig und hitzköpfig, vorlaut und frech. Alyssa ist die Sorte von Mädchen, die ich früher immer sein wollte und vielleicht auch gewesen bin, zumindest in meinem Kopf.
James und Alyssa sind einfach Teenager, sehen wie Teenager aus und haben mit Problemen zu kämpfen, die heutzutage leider viele junge Menschen betreffen. Kein schönes Elternhaus zu haben, Selbstzweifel, Verlustängste, sich verloren und ungeliebt zu fühlen und nicht zu wissen wo man hinsoll und dazugehört, weil man einfach keinen so rechten Platz für sich zu haben scheint.
Das Entdecken der eigenen Sexualität und die Konfrontation mit sexuellem Missbrauch und wann es angebracht ist „Nein“ zu sagen, spielt dabei eine tragende Rolle.
The End of The F***ing World ist eine der unproblematischsten Serien seit langem, eben genau deshalb, weil sie vor solchen Themen nicht zurückschreckt und diese stillvoll, aber auch eindringlich vermittelt.

Was am Anfang wirkt wie eine Adaption von einem beliebigem John Green Buch, zwei Teenager die abhauen, sich verlieben und durch die erste Liebe die Lust am Leben finden, bekommt ab Mitte der Serie einen makaberen Crime Hauch, der einen an den Bildschirm fesselt und zum binge-watchen einläd.
Zum binge-watchen ist diese Serie mit ihren acht Folgen, die jeweils zwanzig Minuten lang gehen und sich so wie einen etwa zwei-einhalb stündigen Spielfilm gucken lassen auch gemacht. Doch jede einzelne Folge hat Charme, vollgepackt mit grandiosen Dialogen und einem ebenso gutem Soundtrack. Auch Subplots wie der mit den zwei Polizistinnen (eine davon gespielt von Game of Thrones Star Gemma Whelan) verlieren sich nicht irgendwo in der Bedeutungslosigkeit.
Der Cast, bestehend aus Alex Lawther (James) und Jessica Barden (Alyssa) ist sehr gut getroffen. Ein siebzehnjähriger Junge wird authentisch verkörpert und sieht nicht perfekt aus wie ein halber Body Builder und auch Alyssa hat keinen perfekt weiblichen Körper mit Lara-Croft-Brüsten und 90-60-90 Maßen. Man nimmt ihnen die Rolle ab und ihre schauspielerische Leistung ist große Klasse.

The End of the F***ing World erzählt die Geschichte von Einsamkeit, Verlust, Schmerz, aber auch Hoffnung, Aufopferung und, was kitschig klingt, schlichtweg Liebe und ist jetzt schon ein heißer Anwärter darauf, eine der besten Serien 2018 zu werden.

 

 

2 Kommentare zu „The End of The F***ing World – Review

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