Uncharted: The Lost Legacy – Review

Tief in die Berge Indiens auf der Suche nach einem antiken Stoßzahn verschlug es mich die letzten Tage in Uncharted: Lost Legacy. Wer musste aber zu Hause bleiben? Mein alter Bekannter Nathan Drake. Funktioniert der Ableger der beliebten Spielereihe trotzdem? Lest selbst. 

In Uncharted: Lost Legacy treffen wir auf die bekannte und beliebte Chloe Frazer aus Uncharted 2 und 3. Der ehemalige side-kick und love-interest von Nathan Drake, dem ursprünglichen Helden der Uncharted-Reihe, heuert in ihrem eigenen Spiel die Söldnerin Nadine Ross, die Kontrahentin aus Uncharted 4 an, um auf eine Schatzsuche durch Indien zu gehen. Gesucht wird ein goldener Stoßzahn und das Leben der beiden Frauen wird durch den charmanten Asav erschwert, der ganz eigene Interessen verfolgt.

Lost Legacy hat alles was ein Uncharted-Spiel braucht und ein Uncharted-Spiel ausmacht.
Der beste Teil jedes Naughty Dog Spiels sind wohl die toll geschriebenen (Haupt-) Charaktere und mit Nadine und Chloe bietet sich hier ein interessantes Match. Zwei Frauen, beide moralisch fragwürdig, werden zusammengeworfen und müssen neben Klettern, Rätsellösen und Schießereien ihre fehlerhaften Charakterzüge und Vergangenheit aufarbeiten und dabei lernen, sich selbst und einander zu vertrauen.
Aus anfänglichem Misstrauen, sind zu Ende Partner geworden – das Zusammenwachsen der Frauen geschieht im Laufe des Spiels gewohnt feinfühlig, großartig und mit Uncharted-typischem Charme.
Über Chloe als spielbarem Hauptcharakter hab ich mich gefreut, da ich seit ihrem (kurzen) Auftritt in Uncharted ein großer Fan bin. Nadine, die ich als Gegenspieler in Uncharted 4 nicht sonderlich leiden konnte, bekommt durch Lost Legacy einen runderen Charakter, der ihr guttut und sympathisch macht. Um diesen zu verstehen, sollte man Uncharted 4 jedoch gespielt oder gesehen haben, was bei Lost Legacy allgemein von Vorteil ist. (Hier geht’s zu meinem Uncharted 4 Review: Uncharted 4)
Was dem noch hinzuzufügen ist: ohne jetzt allzu politisch zu werden, Naughty Dog weiß, wie man weibliche Charaktere schreibt. Nadine und Chloe wirken hinsichtlich ihres Jobs (und auch so) authentisch. Praktische, nicht zu knappe Klamotten, keine überdimensionalen Brüste, die bei jedem Schritt in alle Richtungen wackeln, überall Kratzer und kleine Wunden und zu keinem Zeitpunkt top gestylt. Sie schwitzen, ihre Haare kleben an ihrem Gesicht und Nacken, das Make-Up verläuft. Well done, Naughty Dog. Ihr könnt sowas.

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Auch Gameplay-technisch unterscheidet sich nicht viel von Uncharted 4. Alle nun gewohnten Mechaniken wie etwa der Greifhaken mit dem man sich Tarzan-artig von Ast zu Ast schwingen kann sind wieder vorhanden. Neu eingeführt wurde das Schlösser knacken. Minispielartig dreht man den linken Stick des Controllers im Kreis und sucht eine Stelle, bei dem der Controller vibriert. Das macht man einmal, zweimal, dreimal und zack – abgeschlossene Gegenstände wie etwa Truhen mit verbesserten Waffen können so geöffnet werden. Außerdem ist Chloe mittlerweile im Zeitalter der modernen Technologie angekommen, sie trägt ein Smartphone mit sich herum und man kann von Zeit zu Zeit an „Photopoints“ Bilder von der Umgebung sammeln. Bringen tun die einem nicht viel, man kann sie im Menü ansehen und sich an die Reise erinnern. Der Photomode  wurde auch noch mal generalüberholt und verbessert. Zusätzlich zu Filtern und Rahmen, gibt es jetzt die Möglichkeit den Charakteren verschiedene Gesichtsausdrücke zu verleihen, oder einen bestimmten Sonnenwinkel für noch bessere Aufnahmen einzustellen.

Das Kampfsystem ist dem von Uncharted 4 ebenfalls sehr ähnlich. Durch größere Arenen und Versteck-Möglichkeiten liegt es am Spieler, wie er seine Gegner beseitigt. Ich selbst bevorzuge die Stealth-Variante, aber natürlich kann man auch mit einem großen Knall jeden Konflikt beginnen.
Auch das Klettern war wieder von der Partie und das war angesichts der wunderschön gestalteten Spielwelt ein Genuss.
Die Spielwelt selbst war groß und offen gestaltet. Wo man sonst eher schlauchartige Level gewohnt ist, erstreckt sich ab Kapitel vier eine große Landschaft, die man zu Fuß oder mit Jeep erkunden kann, wobei es sogar eine Nebenmission gibt. Die Mission in der es darum ging, Münzen für eine Belohnung zu sammeln war allgemein okay, gebraucht habe ich sie aber nicht. Auch die Belohnung war meiner Meinung nach etwas enttäuschend, dennoch hat die Mission dazu eingeladen das große Areal zu erkunden und die wunderschöne und detailreiche Welt in sich aufzunehmen.

Die Formel von Uncharted zieht. Selbst ohne Nathan, das muss ich schweren Herzens zugeben. Uncharted: The Lost Legacy erfindet das Rad nicht neu, da ändert auch der Wechsel des spielbaren Charakters nichts. So ist auch der Kontrahent, Asav nur ein kleines Hindernis auf dem Weg zum Ziel. Mit ihm selbst kann ich wenig anfangen. Er sieht ordentlich aus, ist charmant und hat Vergangenheit mit Nadine. Ein bekanntes Konzept, dennoch wirkt Asav zu unglaubwürdig. Seine Motivation den Stoßzahn zu bekommen ist wie bei anderen Uncharted Villains natürlich da, doch warum… weiß man nicht. Lediglich der Bossfight bringt da etwas Licht ins Dunkel und seine eigentlichen Absichten kommen da durch. Die haben aber nichts mit übersinnlichem oder anderem zu tun, das gibt es nämlich wie in Uncharted 4 wieder nicht, sondern mit bloßem Krieg, aber sein Gefasel von einer „Reinigung“ oder was auch immer, ist aufgesetzt und überzogen.
So richtig starke und widersprüchliche Feinde hatten Nathan und Co. noch nie wirklich, aber das ist auch nicht der Grund wieso ich die Reihe liebe. Ist ja kein Game of Thrones.

Auch Uncharted: The Lost Legacy liebe ich. Die Story ist herzlich, abgerundet, ausgefeilt. Der Verlauf der Story ist zwar aus den Vorgängern bekannt, bietet ungefähr in der Mitte aber eine Überraschung in Form eines alten Bekannten. Lost Legacy ist eine tolle Erweiterung in einem legendären Spiele-Universum, ein gelungenes Spin-Off, das aber trotzdem kein direktes Send-Off darstellt. Es zeigt, dass es gerade bei den Charakteren rund um Nathan Drake noch viel Stoff zum erzählen gibt und Lost Legacy hat gerade dazu eine Plattform geschaffen, beziehungsweise diese gut genutzt. Inwiefern das Potenzial in Zukunft ausgeschöpft wird? Wir werden sehen.

Mit einer Gesamtspielzeit von etwa 10 Stunden (Anmerkung: Ich hätte ruhig noch länger damit verbringen können, es fehlen nämlich noch etliche Schätze und optionale Konversationen etc.) ist es kürzer als Uncharted 4, aber jede Minute seiner Zeit wert.

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+ tolle Charaktere
+ Runde Story
+ wunderschöne Spielwelt
+ Spaßiges Gameplay
+ Toller Photomode
Unnötige Minispiele/Nebenmissionen
Schwacher Kontrahent

Gespielt auf: PlayStation 4
Datum der Erstveröffentlichung: 22. August 2017
Publisher: Sony Interactive Entertainement
Entwickler: Naughty Dog
Kaufen: Amazon (PS4)*

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Ein Kommentar zu „Uncharted: The Lost Legacy – Review

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