Westworld Episode 1 Recap

Game of Thrones ist inzwischen Kult unter Serienfans und jetzt hat sich HBO was neues einfallen lassen: Westworld. Tauchen wir ein in die wunderschön-tödliche Westernwelt in diesem Recap der Staffelpremiere, Folge 1 „The Original“.

Ein blondes Mädchen wacht auf. Sie läuft die Treppe herunter, raus auf die Veranda wo ihr Vater sitzt. „Morning, Daddy.“ begrüßt sie ihn gut gelaunt und verspricht vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück zu sein. 

HBO weiß einfach wie man Serienintros macht. Untermalt mit einem wundervollen Klavierstück wird uns die Produktion, dieser „neuen Welt“ gezeigt. 3D Drucker stellen lebensechte Pferde, Menschen, Umgebungen her. Gleich darauf sehen wir ein nacktes Mädchen, blond Haare, ein Antlitz wie Alice aus dem Wunderland, in einem kalten metallischen Raum sitzen. Eine Fliege krabbelt ih über das leblose Auge. Sie wirkt tot. Dolores nennen sie sie. Ihr werden Fragen gestellt. „Hast du jemals die Natur deiner Realität in Frage gestellt?“ „Nein.“, antwortet sie. Wir begleiten Dolores auf ihrer täglichen Routine. Sie wacht auf, grüßt ihren Vater und reitet hinaus in die Wildnis, wo sie ihren zurückgekehrten Lover Teddy trifft, nur um abends wieder zurückzukehren um zu sehen wie ihre Familie ermordet wird. Das ist ihre Geschichte. Jeden Tag.

Ein Zug fährt ein in das kleine Dörfchen. Er bringt Besucher mit. Wir lernen Teddy kennen und nehmen sofort an, er sei menschlich. Er geht in ein Bordell, trifft dort auf eine Prostituierte, die er abblitzen lässt. Er ist für Dolores geschaffen worden. Wortwörtlich. Er ist ein guter Kerl, er glaubt an die wahre Liebe. Diese Tugend formt das potentielle Opfer aus ihm, das Opfer für die blutdürstige Besucher des Parkes, die sich für $40.000 pro Tag das Vergnügen kaufen. So stirbt er in Dolores Armen. Wieder. Und Wieder.
Das ist seine Geschichte.

Teddy und Dolores treffen sich also in einen von den vielen Loops ihrer Geschichten wieder und reiten abends zurück zu Dolores Familie, die ermordet wurde. Dann taucht er auf. Der „Man in Black“. Ein besonders reicher Besucher, der den Park schon besucht hat, als er gerade erst eröffnete. Seit dreißig Jahren verbringt er seine Ferien in Westworld, er steht eher auf Vergewaltigungen und Mord als auf Sandstrand und Cocktails. Er grüßt die verwirrte Dolores wie einen alten Freund. Nach einem Austausch der Machtverhältnisse versucht Teddy seine Dolores vor dem Man in Black zu retten, er schießt auf ihn doch der Man in Black scheint unsterblich.
Die Waffen in Westworld können die Robotermenschen „Hosts“ und die Besucher unterscheiden, sodass kein menschlicher Besucher ernsthaft zu Schaden kommt. Wenn man getroffen wird, spürt man das vielleicht wie ein Stechen eines Paintballs. Der schockierte Teddy versucht dem Man in Black daraufhin in den Kopf zu schießen, kann aber nicht abdrücken, denn: Kopfschüsse auf Besucher sind in Westworld verboten. So stirbt Teddy erneut in Dolores Armen und sie wird mit dem Man in Black zurückgelassen, der sie an den Haaren packt und in die nahe gelegene Scheune zerrt.

Westworld ist (wie Game of Thrones eigentlich auch) nicht immer was für schwache Nerven, doch besonders in dieser Szene handelt es sich nicht um bl0ße Gewalt einer TV Show. Westworld hat viele Storyebenen, die komplex und undurchsichtig scheinen und hoffentlich in späteren Folgen näher ineinander greifen. In dieser Szene sehen wir zuerst worum es offensichtlich zu gehen scheint: Besucher, die in eine künstlich erzeugte Welt eindringen um ihren Spaß zu haben und das auszuleben, was im wirklichen Leben unter Strafe stünde. Die Spielfiguren sind hier die Hosts, lediglich Sklaven um für das Vergnügen der zahlenden Besucher zu sorgen. Und hier wird der Zuschauer ausgetrickst. Die Showrunner wollen für Empathie sorgen. Wie geht das am besten? Mit einem jungen Liebespaar, das auf übelste Weise voneinander getrennt wird. Dass das wieder und wieder passiert, sei mal dahin gestellt. Wir sind dazu veranlasst, die Hosts als Roboter zu sehen, stellen uns aber wieder und wieder die Frage: „Sie sehen menschlich aus. Sind sie menschlich? Denken sie, fühlen sie? Wenn ja, ist das Verhalten falsch? Wie weit darf man gehen? Wo hört künstliche Intelligenz auf und wo fängt Menschlichkeit an?“
Diese Fragen sind die elementarsten der Sendung und genau der Grund warum Westworld so verdammt faszinierend ist.

Nach dieser Szene befinden wir uns wieder in dem Kontrollraum, wo eine Hunger Games anmutende Holokarte die Welt auf Display bringt. Wir treffen auf zwei Mitarbeiter des Westworld Teams, einen Leadprogrammer und seine Untergebene, die die Programmierung eines Hosts begutachten. Sie bemerken eine Veränderung in den Bewegungsabläufen, der Host – eine Prostituierte – streicht sich immer wieder mit dem kleinen Finger über die Unterlippe. Diese Bewegung ist mit dem versteckten Gedächtnisses des Hosts verknüpft, ein Update das fatale Folgen mit sich bringen würde.
Genau um dieses Update dreht es sich in einer späteren Szene, wo der Storywriter der für die Geschichten in Westworld verantwortlich ist sich mit der Chefin des Ladens Theresa Cullen unterhält und ein für ihn wohl untypisches Statement abgibt: Vielleicht wäre es besser, wenn man nicht permanent an Updates für die Hosts zu arbeiten um sie dabei zu belassen was sie eigentlich sein sollten: Nicht real, nicht zu menschlich. Er äußert außerdem dass er glaubt, dass es sich bei dem Westworld-Projekt um was anderes handelt, außer „reichen Arschlöcher eine Möglichkeit zu geben Cowboy zu spielen.“ Um was genau es sich dabei aber handelt, darüber hätte er keine Idee.

Einige Szenen später sehen wir wieder Dolores. Der blonde Host wacht auf, läuft die Treppe herunter, sagt ihrem Vater guten Morgen. Doch in ihrer Geschichte ist diesmal etwas anders, der Vater, natürlich ebenfalls ein Host, hält ein Bild in der Hand. Darauf zu sehen eine lächelnde Frau, im Hintergrund eine moderne Großstadt. Er bekommt daraufhin einen mentalen Zusammenbruch und fragt sich nach der Möglichkeit dieser Zukunft. Dolores selbst kann, ganz wie es ihre Programmierung will, nichts auf dem Bild sehen. Ihr aufgewühlter Vater lehnt sich vor und flüstert die Worte ins Ohr: „these violent delights have violent ends.“ Eine Zukunftsprognose für den Park und die Besucher?
Nicht nur Dolores Vater hat eine Fehlfunktion, auch andere Hosts im Park sind davon betroffen. So schießt zum Beispiel ein wildgewordener Host in einer Bar um sich, verwirrt davon redend, dass er diesmal nicht sterben wird. Diesmal? Die Hosts sollten ihre geskripteten Tode eigentlich nach jedem Durchlauf vergessen haben.

Durch die ganzen Systemausfälle der Hosts wird natürlich das Team von Westworld alarmiert, betreffende Hosts werden untersucht nur um auf das gleiche Ergebnis zu kommen: das neue Update muss daran schuld sein. Es wird vorgeschlagen alle Hosts mit dem neuen Update zurückzuziehen, woraufhin der Storywriter Sizemore ausflippt. Man könnte, schon aus Kosten und Storygründen nicht einfach 200 Hosts aus dem Spiel nehmen. Kurzerhand wird eine Schießerei arrangiert und der arme Teddy stirbt erneut, herzzerreißend in den Armen seiner Dolores.

Für mich persönlich die einprägsamste Szene der ersten Folge gestaltet sich daraus, dass Dolores Vater, der den Ausfall wegen dem Foto hatte, interviewt wird. Abgesehen von hervorragender und beeindruckender Schauspielerei bildet diese praktisch das Grundkonzept der Serie und lässt dem Zuschauer einen Ausblick auf Kommendes: Was, wenn sich die Hosts doch erinnern? Wenn sie menschlicher sind als man sie haben wollte? Aus irgendeinem Grund weiß Dolores Vater, dass er gemacht wurde. „Ich will meinen Erschaffer treffen.“, sagt er dem Team. Er bekommt als Antwort, dass er Glück hätte, denn er säße diesem bereits gegenüber. Dr. Ford (ja, Anthony Hopkins!), der Erfinder und das Oberhaupt von Westworld ist für das Drucken der Hosts verantwortlich. Auf das süffisante Lächeln Fords reagiert Dolores Vater total off-character. Er packt Ford am Kragen und droht ihm, er würde Rache an allen ausüben. „By most mechanical and dirty hand … I shall have such revenges on you both, the things I will do, what they are yet I know not, but they shall be the terrors of the earth … Hell is empty, and all the devils are here.
Dolores Vater sagt dabei etwas, das sich zu leicht auch auf unsere heutige Zeit übertragen lässt.
Sichtlich unbeeindruckt zeigt sich jedoch Dr. Ford, der für den Ausbruch seines Hosts eine logische Erklärung bereithält. Der Host Abernathy war vor seiner Rolle als Dolores Vater ein Professor einer Horrorgeschichte der immerzu Shakespeare zitiert hat. Nichts desto trotz wird Abernathy auf den Friedhof „toter“ Hosts geschickt: Eine verspiegelte Halle in der Reihe um Reihe um Reihe ausrangierte, nackte Hosts ihr Ende finden. Besonders berührend? Abernathy weint als er die Reihen zu seiner letzten Ruhestätte entlang schreitet.

Die erste Folge endet so, wie sie anfing. Dolores wird interviewt. Sie wird gefragt ob sie jemals die wahre Identität ihrer Realität in Frage gestellt hätte. Sie verneint. Sie wird gezwungen die Worte zu wiederholen, die ihr Vater ihr ins Ohr flüsterte.
„These violent delights have violent ends.“
Wir sehen sie wieder, als blondes Mädchen. Sie erwacht wie gewohnt. Sie läuft die Treppe herunter, auf die Veranda. Sie sagt ihrem Vater guten Morgen. Mit dem einzigen Unterschied, dass da nun ein anderer Vater sitzt. Ihre Geschichte jedoch scheint eben wie gewohnt weiterzugehen.

Ein Symbol ist in der Serie besonders prägnant (Breaking Bad Fans und Kenner werden jetzt wohl lachen oder zumindest schmunzeln) die Fliege. In der Eröffnungsszene sehen wir wie eine Fliege über Dolores lebloses offenes Auge krabbelt. Von einem anderen Host wird gesagt, „dass er niemals einer Fliege etwas zuleide tun könnte“. In der Endszene krabbelt eine Fliege auf Dolores Hals herum. Sie schlägt sie mit einem Handschlag tot.

Westworld hat viel Potenzial, HBOs nächstes großes Ding zu werden. Die Serie behandelt die zentralen Fragen und Bedürfnisse nach Menschlichkeit. In einem Zeitalter, wo die Robotertechnologie immer weiter (auch industriell) voranschreitet , sind diese Fragen und Thematiken besonders interessant. Westworld ist unheimlich, Westworld kriecht einem unbewusst unter die Haut und hinterlässt Eindruck.
Die erste Folge von Westworld macht einen soliden Job, den Zuschauer in die komplexe Welt einzuführen. Sie wirft Fragen auf, zeigt viele Handlungsstränge und Handlungsebenen. Was ist die wahre Intention der Westworldschaffer? Sind alle Hosts nur Roboter? Was will der Man in Black? Und wo spielt die Fliege eine Rolle?

Wir werden die Fragen wohl aufdecken, in weiteren Episoden von Westworld.

 

 

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