Von Arbeit, Zahlen und dem Drang nach Anerkennung

Mir ist letztens auf Twitter der Kragen geplatzt. Tut mir leid ihr Freunde der guten Unterhaltung: Jetzt wird es mal ernst. Eine Kritik an die Internetgesellschaft und ein Reminder an mich selbst. 

Es ist ein Phänomen der neuen modernen Welt. Ein Phänomen des Internets. Ein Phänomen von und der Jugend.
Man muss nicht oft auf Social Media Seiten unterwegs sein, um relativ schnell zu verstehen, worum es den meisten zu gehen scheint.
Etwas herumscrollen auf Instagram genügt und man liest zig tausend Kommentare, mit immer der gleichen Aussage: Like mich.
Doch was sind Likes? Was bedeuten diese Daumen nach oben und was bedeuten sie für mich? Wo ist der Grad zwischen „Unterhaltung“ und Unterhaltung und wo steckt diese Arbeit drin?

Ich versuche stetig meine Online-Präsenz auszubauen und daran zu arbeiten. Es ist ein Hobby, etwas das ich gerne mache und womit ich gerne meine Zeit verbringe. Ich tweete, ich tumblrere, ich twitche, ich blogge. Manch einer würde sagen: „Geh doch mal raus an die Sonne!“, ich aber sage: Es bereitet mir Freude. Zu einem gewissen Punkt.
Seit einiger Zeit – und nennt mich paranoid – habe ich vor allem auf Twitter das Gefühl, dass sich etwa 70% meiner „Follower“ überhaupt nicht für Verfasstes interessieren. Die restlichen 30% belaufen sich auf Freunde und Leute, die mich schon im realen Leben angetroffen haben.
Ich behaupte nicht, dass meine Tweets die lesenswertesten überhaupt sind. Aber irgendwann nagt es an einem: Eine Zahl, die ab-anstatt zunimmt, immer die gleichen Leute in den Interactions (tut mir leid, ich hab euch lieb!) und kaum ein bemerkenswerter Fortschritt.
Jeder meiner Tweets birgt aber irgendwo Content. Es sind einfach Tweets über mich. Sei es Gaming, kritische Themen oder nur das Mittagessen. Ich versuche mit Humor an die Sache heranzugehen, mich selbst nicht so ernst zu nehmen. Ich versuche zu unterhalten, Leute zum schmunzeln zu bringen, zum Nachdenken anregen oder sie mit meinen Leidenschaften zu nerven.
Wirft man dann einen Blick auf andere Accounts, Accounts von geschätzten fünfzehnjährigen, mit englisch-sprachiger Bio inklusiver Emojis, die vorzugsweise die Essgewohnheiten oder Sexualitäten preisgeben und rund um „deep“ sind
– mit groben 1500 Followern mehr als man selbst. Deren Content? Kopierte Sprüche von Tumblr, Beef, Liebeskummer-Lebensweisheiten und Selfies. Tonnen von Selfies. Exzentrische Selbstdarstellung ist hier das Stichwort.
Was man daraus lernt, ist eigentlich nur eins: Euer persönliches Leben interessiert da niemanden, solange ihr halbwegs schön seid, euch selbst auf Bildern inszenieren und halbwegs englisch könnt. Seid Teenager. Seid stolz auf euer Aussehen. Doch muss das sein? Ist das das Bild, das ihr von euch vermitteln wollt? Sind Tweets, die wirkliches und ehrliches Herz beinhalten nicht ein viel größeres und wichtigeres Internet-Erbe, als pseudo schon-drei-drilliarden-mal-gehörte Sprüche? Und wollt ihr wirklich für immer euer Teenager-Gesicht auf irgendwelchen „Fail-Bildern“ im Netz haben?

An meinem Blog hier ist interessant, dass jegliche Real Life Beiträge von den bloßen Klicks  her genau 50% weniger Aufrufe haben, als das Gaming und Geek Zeug. Dass letzteres so gut ankommt, freut mich natürlich ungemein. Es ist immerhin der Hauptbestandteil dieses Blogs und mit euch mein Hobby und Leidenschaft teilen zu können, ist etwas großes. Ich liebe es auch, darüber zu schreiben. Sonst würde ich es nicht tun.
Allerdings sind diese Beiträge sehr zeitaufwändig. Für einen Blogeintrag oder Review eines Spiels brauche ich einen guten halben Vormittag bis halben Tag.
Für meinen Uncharted 4 Beitrag hier habe ich sogar ungelogen circa vier Wochen gebraucht. Es geht los beim Konzept. Gedanken haben. Gedanken sortieren. Diese Gedanken dann aufschreiben. Gedanken wieder löschen. Neue Gedanken verfassen. Danach geht es ans editieren, an die Rechtschreibprüfung und ans Bilder raussuchen, ans taggen und nochmal drüber lesen und anschließend hochladen. Jedem, der selbst im Bloggerbereich tätig ist, ist dieser Vorgang natürlich nichts neues.

Und warum das so lange braucht? Weil es mir wichtig ist.
Der Uncharted 4 Blogeintrag als Beispiel war mir sehr wichtig.
Ich hatte schon immer hohe Ansprüche an mich selbst. Ich möchte Content produzieren, den ich liebe. Content, mit dem ich Zeit verbringe und Content, den ich so selbst lesen würde. Ich möchte über Spiele berichten, die mich verändert haben, Spiele, die ich selbst spielen will. Dabei möchte ich noch unterhalten und meinem Leser neue Impressionen bieten. Das alles lässt sich nicht innerhalb einer Stunde bewerkstelligen.

Wenn man vier Wochen an einem Projekt dran sitzt und dann nur mäßigen „Output“ zurück bekommt, fragt man sich schon weshalb. Weshalb die Stunden? Hätte ich nicht besser lernen sollen in der Zeit?
Der fiese Gedanke „Ach, das liest doch eh keiner, warum also.“  ist ein stetiger Begleiter.
Und dieser Gedanke ist falsch.

Ich sage nicht, dass ich nur auf Zahlen und Klicks schaue, denn dabei macht man sich selbst verrückt. Das ist auch nicht der Kern der Sache.
Ich mache es als Hobby, um mir etwas aufzubauen und als etwaige Berufsgrundlage.
Mir ist bewusst, dass alles hier erschreckend nach Klickgeilheit und dem berühmten Fishing for Compliments klingt, doch es ist nichts was ich damit erreichen möchte.

Die Internetgesellschaft ist schnelllebig. Trends kommen und gehen. Klickzahlen steigen und sinken. Likes sind schnell verteilt, es wird vermehrt auf oberflächliches geachtet. Das ist nicht mal nur im Internet so. Ein „Wie geht es dir?“ interessiert sich selten für den wirklichen Gemütszustand. Es wird als hohle Phrase benutzt in den Smalltalk eingebaut, ein Ice Breaker, eine Brücke zu einem belanglosen Gespräch.
Doch können wir nicht einfach wieder damit anfangen, unsere Gegenüber zu schätzen?
Auf andere Dinge wie zig tausend Snap Chat Filter und den perfekten Eyeliner auf Selfies achten?
Arbeit und Herzblut anerkennen? Sich dafür auch zu interessieren?

Nein, Leute. Ich schreibe nicht nur für Zahlen. Ich schreibe nicht nur für Klicks.
Ich schreibe für mich.
Und wenn ich irgendwann in zwanzig Jahren mal wieder über diesen Blog stolpere, weiß ich ganz genau wofür ich schrieb:

Um ein Erbe dagelassen zu haben und mich erinnern zu können, was ich einmal geliebt habe.

 

 

3 Kommentare zu „Von Arbeit, Zahlen und dem Drang nach Anerkennung

  1. Juhu :)

    Ich bin erst aufgrund der angesprochenen Tweets darüber gestolpert, dass Du einen Blog schreibst, ich folge Dir ja auch noch nicht so lange.
    Das Phänomen das Du da ansprichst ist eine der Sachen, die mich am meisten davon abhält selbst zu bloggen oder generell etwas „ernstes“ ins Internet zu setzen.
    Ich merke das auf Twitter genauso. Meine Tweets sind meistens alltäglich & was mir so durch den Kopf geht mit dezenten Ausdrücken meiner Freude über gewisse Themen. Wenn es um ernste Dinge geht, liegen mir diese immer am Herzen, aber diese gehen meistens neben den, von Dir angesprochenen deepen Tweets mit tumblrähnlichen Weisheiten etc. einfach unter.
    Das ist nicht vergleichbar mit dem Gewicht eines Blogeintrags der aufwendig geschrieben ist, aber was ich sagen will: Ich kann nachvollziehen wie Du Dich damit fühlst und dass es frustrierend ist, dass Themen, die Dir am Herzen liegen und in die Du viel Zeit investierst, nicht so anerkannt werden, wie ein einfacherer Eintrag über den Alltag.

    Ich hoffe Du lässt Dich davon nicht unterkriegen & ziehst Dein Ding durch :)
    Damit lasse ich Dir noch ein bisschen <3 da und wusel mich mal durch Deinen Blog, (aber kleine Vorwarnung, ich bin kein großer Schreiber von Kommentaren :( )

    Wie beendet man so einen Kommentar überhaupt?
    Äh, Tschüssi, man liest sich <3

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  2. Da ist man einmal am Wochenende nicht da und du schreibst hier heimlich etwas. Du brauchst aber nicht zu glauben, dass ich das nicht mitbekomme.
    Ich kann dein Problem ganz gut nachvollziehen. Ursprünglich war ich da mit meinem ollen YouTube-Kanal und habe dort immer ein paar Spielchen gedaddelt. Immer die Spiele, auf die ich gerade Lust hatte. Und immer bewusst gegen irgendwelche Trends. Selbstverständlich spielt man die Spiele für sich selbst und weil sie Spaß machen, doch als Videoproduzent hinterfragt man sich auch, ob das, was einem selbst Spaß macht auch anderen Spaß machen kann oder umgekehrt, ob man an dem, was gefällt selbst noch Spaß hat. Irgendwann bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es mir eben keinen Spaß mehr bereitet und dass es mehr Zeit kostet als ich dafür aufwenden möchte und das obwohl ich zu der Zeit ein ungewöhnliches Wachstum bemerken konnte.
    Im Gegensatz zu vielen anderen, die auf YouTube Videos machen, hatte ich nie die Absicht, damit meinen Lebensunterhalt bestreiten zu wollen. Es sollte ein Hobby bleiben, obwohl ich die Möglichkeit gehabt hätte, im Bereich Social-Media-TV ein Studium zu absolvieren, das von meinem Netzwerk finanziert worden wäre. Vielleicht bin ich dafür aber auch zu eigensinnig und zu wenig trendorientiert.
    Auf anderen sozialen Netzwerken ist aber nicht anders. Jemand hat eine Idee, die eigentlich ganz interessant ist, bevor sie dann von tausenden und abertausenden anderen kopiert wird um damit gezielt Follower und Likes zu bekommen, bevor dann die Idee ausgelutscht ist. Man ist interessant, solange man die Masse unterhalten kann.
    Seine eigene Nische schaffen und nicht auf die Masse zu setzen ist hingegen ein deutlich härteres Pflaster, was Follower und Likes angeht, dafür bekommt man meistens die ehrlicheren Interaktionen.
    Dein angesprochenes 70:30-Verhältnis ist aber leider ein üblicher Wert. Auf YouTube würde man von sogenannten „toten Abonnenten“ sprechen. Das sind zum einen Menschen oder Bots, die nur abonniert haben, um ein Abo zurück zu erhalten. Und zum anderen sind es Menschen, die einen Kanal abonniert haben, weil ihnen ein bestimmtes Projekt gefallen hat und sie auf ein ähnliches Projekt noch einmal hoffen. Wobei sich das Interesse einzelner Projekte noch einmal unterscheidet. Nehmen wir als Beispiel den Kanal von Gronkh:
    Forest Village #015 hat bei ihm aktuell knapp 75.000 Aufrufe, das sind gerade mal 2% seiner Abonnenten.
    Dead by Daylight #055 hat bei ihm knapp 231.000 Aufrufe, gerade mal 5% seiner Abonnenten.
    Selbst wenn kein Abonnent mehrere verschiedene Projekte schauen würde, sind über 80% seiner Abonnenten inaktiv. Würde man das jetzt noch auf die Interaktionen wie etwa Kommentare oder Likes herunterrechnen, würde der Wert deutlich weiter schrumpfen.
    Was ich damit zeigen möchte ist, dass man aus diversen Gründen immer nur einen Bruchteil seiner Anhänger erreicht. Das ist eine normale Entwicklung. Denn sowohl die Follower als auch man selbst verändern sich und das Interesse sinkt potentiell. Das ist ein normaler Prozess.
    Man sollte sich nicht an der Masse orientieren, von der man Wertschätzung seiner Arbeit bekommt, sondern an der Art und Weise, auf die man diese Wertschätzung bekommt. Daraus kann man deutlich mehr schöpfen.
    Das Zielgruppen-Problem habe ich auf dem Blog meiner Seite aber auch. Einerseits habe ich diejenigen, die sich für meinen Kanal interessieren und mir deswegen irgendwie folgen und dann habe ich die Leute, etwa du, bei denen ich nicht einmal weiß, weswegen sie mir folgen. Oft denke ich darüber nach, was ich machen könnte und wie ich was machen kann, ohne dabei „den anderen“ mit meinem Zeug auf die Nerven zu gehen.
    Letztlich kann ich aber nur das unterstreichen, das du bereits geschrieben hast: Einfach für sich selbst machen. Wenn einem etwas gefällt und man von sich selbst behaupten kann: „Das habe ich selbst geschaffen.“ ist das eine nicht zu unterschätzende Leistung, auf die man selbst stolz sein kann. Alles andere von außen, das ist ein Bonus.

    Gefällt 1 Person

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