Ein weiter Schrei? – Far Cry!

Ich war im Urlaub. In den Bergen. Genauer gesagt im Himalaya. In einem klein-großen Land namens Kyrat. Was ich da so erlebt habe, lest ihr jetzt.

Kyrat was? Kyrat wo?

Kyrat ist ein (leider) fiktionales Land, angesiedelt in Tibet, irgendwo im Himalaya und aktuell im Bürgerkrieg. Und genau in dieses Szenario begeben wir uns. Wir – das sind du und ich in der Haut von Ajay Ghale. Dieser arme Kerl hat ursprünglich nur ein Ziel, weshalb er überhaupt nach Kyrat kommt, nämlich die Asche seiner verstorbenen Mutter auf ihren letzten Wunsch hin in Kyrat beizusetzen.
Dass sein Plan nicht so recht funktioniert, wird schnell klar als der Bus in dem er sich befindet unfreiwillig gestoppt wird – worauf die Geschichte ihren Lauf nimmt.

Die Welt steht dir offen

Für mich als Open World Game Noob war diese eine total neue Erfahrung. Kyrat lebt. Um es frei mit Max Frischs Homo Faber auszudrücken: „Wo man hinspuckt, keimt es.“ und das ist irgendwie wirklich so. Wölfe reißen Hirsche, Bären stürmen aus Höhlen, eine Yak Herde rennt röhrend an dir vorbei und diese verdammten Honig Dachse hängen dir auch schon wieder am Hosenkrempel. Kurz und knapp gesagt: Alles will dir irgendwie an den Kragen.
Zudem sieht Kyrat auch noch unglaublich schön aus. Die Flora und Fauna vor den verschneiten Berggipfeln hat ihren ganz eigenen Charme und nicht selten wünscht man sich, dort tatsächlich im Real Life einen Spaziergang machen zu können. Es gibt so viel zu beobachten, ein besonders schöner Anblick für mich waren die Elefanten die sich mal eben vor dir im Fluss badeten. Mit einer speziellen Fähigkeit kann man auf diesen übrigens auch  reiten, was eine von vielen Transport Möglichkeiten darstellt. Egal ob mit dem Truck auf den Landstraßen, dem Jet Ski auf dem Wasser, dem Gyrokopter oder Gleiter in der Luft oder einfach nur zu Fuß: Kyrat zu durchstreifen hat immer Spaß gemacht und hat mich auch viel Gesamtspielzeit gekostet.

Die Welt ist randvoll gefüllt mit Aktivitäten. Eingefleischte Far Cry Spieler werden sicherlich nichts neues lesen, es gibt gefühlte zig tausend Glockentürme zu befreien, die immer weiter die Karte aufdecken und mindestens genauso viele Außenposten zu erobern, die ein Gebiet sichern. Mit einem eroberten Außenposten werden jeweils neue Aufgaben freigeschaltet. In einer Mission muss man etwa Hirsche für Fleisch jagen, in einer anderen einen Truck mit mysteriöser Ladung unbeschadet von einem Ort zum anderen begleiten oder einen Kommandanten der „Royal Army“ unbemerkt um die Ecke bringen. Für Leute mit einer großen Motivation für kleine Nebenmissionen, wird es bestimmt nicht schnell langweilig.
Leider empfand ich das Außenposten Befreien nach einiger Zeit als etwas anstrengend und ich war erleichtert als endlich alle in meinem Besitz waren. Das Spiel trägt daran keine Schuld, aber so richtig Spaß gemacht hat mir das nicht. Auch die anderen Nebenmissionen wiederholten sich oft und ich habe nur die komplett gemacht, die eine eigene kleine Story erzählt haben.

Was mir Spaß machte, waren die Sammelobjekte. Es gibt unzählige Zettel die man finden kann, mit nettem und nicht so nettem Inhalt. Vor allem nach den Tagebuch Einträgen des verstorbenen Vaters von Ajay Ghale und Gründer des goldenen Pfades habe ich stundenlang die Map abgesucht, da sie interessante Details zur Vorgeschichte der Hauptstory beinhalteten. Denn diese hat mir auch unglaublichen Spaß gemacht und zu der komme ich jetzt.

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Should I stay or should I go?

Den kleinen Hinweis den dieser geniale Intro und Outro Song behinhaltet, blickt man beim erstmaligen Durchspielen überhaupt nicht. Und das ist das Tolle. Aber ich spoiler jetzt mal nichts, vielleicht kommt ihr ja selbst drauf.

Wie oben schon beschrieben, wird unser Bus der uns nach Kyrat bringen soll durch eine Schießerei gestoppt. Und genau an dieser Stelle beginnt die tolle Inszenzierung der für mich super gelungenen Hauptstory. In diesen ersten Minuten trifft man auf den vermeintlichen Bösewicht im Spiel, dem pinkgekleideten Diktator und selbsternannten, extravaganten König von Kyrat: Pagan Min. Dieser Herr scheint ein unglaubliches Interesse an unserem Ajay zu haben, woraufhin er ihn zu einer kleinen internen Dinnerparty mit einem Begleiter „einläd“ (zugegeben, entführt zu werden mit einem Sack auf dem Kopf ist keine tolle Einladung jedoch tut es seinen Zweck). Als der Begleiter, ein Mitglied der Rebellengruppe  „Goldener Pfad“, die Pagan Min stürzen will, bei einem Hilferuf per SMS erwischt wird, wird dieser kurzerhand in den Folterkeller abtransportiert und man wird mit den Worten Pagans, man solle doch einen kurzen Augenblick warten und sein Essen weiter genießen, allein gelassen. Prompt folgt die Aufforderung des Spiels, die Festung zu erkunden. Also steht man auf, guckt sich ganz in der wundervollen Soundkulisse der Schmerzensschreie des Gefolterten um und stürzt sich ohne sich zu versehen mitten in den Krieg zwischen dem Goldenen Pfad und Pagan Min.

Der Goldene Pfad wird angeführt von Amita, einer emanzipierten Kämpferin und Sabal, einem konservativen Gläubigen. Obwohl diese beiden das gleiche Ziel verfolgen,  haben sie völlig anderen Ansichten, was ihre Vorgehensweise angeht. Amita möchte Fortschritt, möchte sich lossagen von traditionellen Zwängen und Bräuchen, wirkt jedoch hart und zunächst unsympathisch und Sabal eifert derweil dem großen Gründer des Goldenen Pfades, Ajays Vater nach und möchte am liebsten so sein wie er. Mit allem was dazu gehört. Unser Ajay und wir selbst als Spieler stehen fortan zwischen den beiden und müssen uns in einigen Missionen entscheiden, welchen Weg man selbst vertritt. Am Anfang ist das kein großes Problem und die Entscheidungen haben auch noch keine Konsequenzen, bis auf die Tatsache dass der andere Part verständlicherweise sauer auf einen ist. So muss man sich beispielsweise entscheiden, ob man nun eine Drogenfarm aus moralischen Gründen abfackelt oder diese an sich reißt um den Krieg zu finanzieren oder ob man lieber Informationen der feindlichen Fraktion besorgt und somit das Leben der eigenen Kämpfer riskiert.

Begleitet werden diese Missionen von amüsanten Anrufen, die man vom König höchstpersönlich bekommt. In denen macht er sich  zum Beispiel über das eigene Outfit lustig oder regt sich darüber auf, wer zur Hölle die ganzen Kerzen im Land anzündet. Auch die anderen NPCs quatschen mit einem. Selbst bei den unzähligen Autofahrten war man nie allein, denn Rabi Ray Rana, der Moderator des Radiosenders“Radio Freies Kyrat“ bequatscht einen ständig. Ein ulkiges Kerlchen, wenn auch manche Geschichten von ihm echt fragwürdig sind. Verrückte (und total liebenswürdige) Drogendealer waren auch mit von der Partie und ihre bunten Trips durch die Landschaft von Kyrat haben mir nicht selten die Laune gebessert, die durch die Entscheidungen der Storymissionen oftmals bedrückt war.

Denn diese Entscheidungen gewinnen gegen Ende des Spiels zunehmend an Bedeutung.

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Was bleibt?

Die letzte Entscheidung zwischen Amita und Sabal hat mich, als zu empathischen Zocker, ziemlich mitgerissen. Ungelogen habe ich ungefähr drei Tage überlegt, welcher Weg der richtige ist für Kyrat ist. Es liegt in den Händen des Spielers auf welche Art und Weise und mit welchem Anführer das Land fortbestehen soll.

Was bleibt? Tatsächlich nicht viel. Nach meinem Ende des Spiels, wollte ich mich eigentlich am liebsten nur zusammenrollen und mich in irgendeine Ecke von Kyrat verkrümeln. Ich hatte eine Art Leere in mir, ich war unbefriedigt. Das lag nicht an einem schlechten Ende des Spiels, aber ich habe mich einfach nur gefragt, für welche Seite ich die letzten vierzig Stunden gekämpft habe und mir war eigentlich nur eins klar:

Die falsche.

Dass nichts so ist wie es scheint und dass es oft nötig ist hinter die Fassade eines Menschen zu blicken um dessen Intentionen für sein Handeln zu sehen und zu verstehen, hat dieses Spiel wieder eindrucksvoll bewiesen.

Zugegebener Maßen habe ich bei meinem Ende zwei oder drei Tränchen verdrückt und ohne viel zu spoilern bleibt mir nur das zu sagen: der wahre Feind im Spiel ist nicht der offensichtliche mit dem pinken Anzug.

Fazit

Obwohl manche Missionen mich frustrierten und ich an dem Ubisoft typischen Glockentürme und Außenposten befreien Konzept nicht allzuviel Spaß hatte, hat das die Story für mich wettgemacht. Lediglich schade fande ich, dass Pagan Min etwas kurz kam, als Liebhaber von „Antagonisten“ sind grobe 27 Minuten Screentime für mich persönlich zu wenig. Ein weitere Kritikpunkt ist für mich die KI. Die eigenen Leute vom Goldenen Pfad habe ich als – sorry – total dämlich empfunden. Nicht selten standen sie in die Luft schießend  oder „ADLER“ schreiend in der Gegend herum oder haben mich sogar mit dem Auto überrollt. Sowas muss nicht sein.
Die Welt ist schön und bunt und bei all meinem Geschreibe habe ich hier sofort wieder Lust einen Spaziergang in Kyrat zu machen und mir ein nettes Lagerfeuer anzuzünden oder mich mit einem Wolf zu prügeln.

Datum der Erstveröffentlichung: 18. November 2014
Spiel Engine: Dunia Engine
Studio: Ubisoft Montreal
Publisher: Ubisoft
Kaufen: Amazon (PS4)*Amazon (PC Version)*Amazon (xBox)* 

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Und jetzt noch ein kleiner Leckerbisschen, was es mit dem Song auf sich hat und warum ich das so genial finde: Spoiler auf der nächsten Seite.

3 Kommentare zu „Ein weiter Schrei? – Far Cry!

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